ANTHONY GORMLEY: Event Horizon. Statische Menschen invadieren Hongkong

     Anthony Gormley   ©Stephen White

 Anthony Gormley ©Stephen White

Der britische Bildhauer Anthony Gormley, dessen bronzener ‚Engel des Nordens‘ zu einer wahren britischen Sehenswürdigkeit geworden ist, startete vergangene Woche seine neue und sehr ambitionierte Installation in Hongkong – sie trägt den Namen ‚Event Horizon‘ (Ereignishorizont). Kunstinteressierte müssen sich hierfür nicht einmal in eine Galerie oder ein Museum begeben, denn seine Skulpturen sind für jeden einsehbar auf den Straßen Hongkongs zu finden – man muss nur nach oben blicken. 

In anatomisch korrekter Haltung erscheinen 31 nackte Skulpturen auf den Dächern der Metropole. „Bei ‚Event Horizon‘ handelt es sich um Wahrnehmung. Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die ich gemacht habe. Es ist die Unterbrechung des Horizonts durch die relativ dunklen menschlichen Silhouetten“, so Gormley. „Die Skulpturen bilden einen Kontrast zum erleuchteten Himmel. Sie erscheinen wie dunkle Löcher in Menschenform.“ 

Die Installation wurde im Jahr 2007 erstmals in London gezeigt. Danach tourte sie nach Rotterdam, New York, Sao Paulo und Rio de Janeiro, bis sie nun in Hongkong ankam. Jede Skulptur unterscheidet sich leicht von der anderen und ist so platziert, dass man von ihr aus die nächste sehen kann. Vier gusseiserne Figuren stehen direkt auf den Straßen von Hongkong – sie integrieren sich quasi in den Menschenstrom, der an ihnen vorbeiführt – während 27 Fiberglas-Statuen die Dächer der Metropole schmücken. 

Die Akkupunktur der Stadt

Der Künstler selbst stand Modell für seine Skulpturen. Denn sie verkörpern die etwas hagere und hochgewachsene Figur Gormleys. „Diese Installation ist sehr statisch. Die Betrachter werden dazu angehalten, ebenfalls bewegungslos zu sein. Das Ziel ist es, dass Menschen beginnen, ihre Umgebung zu lesen – sie genauer wahrzunehmen. Passanten sollen den Dialog zwischen den unterschiedlichen Gebäuden in der Stadt erkennen“, erläutert der Künstler. „Außerdem sollten die Skulpturen wie Akkupunkturnadeln wirken. Die kleinen Nadeln sollten in den Körper der Stadt eintauchen und die Anspannung einer solch großen Metropole etwas lösen.“

Ein weiteres Zeichen für die staatliche Anstrengung Hongkong zu einer Kunstmetropole zu machen, ist die Organisation der Art Basel Hongkong, die 2016 zum vierten Mal stattfinden wird. Außerdem markiert der Bau von M+, ein Museum für visuelle Kultur, das wachsende Kunstinteresse Hongkongs. 

Gormleys Appell an die Kunststadt Hongkong ist Folgender: „Lasst uns an die Welt, die wir durch den Bau von Städten geschaffen haben, denken und unsere Beziehung zu dieser Welt reflektieren. Und lasst uns auch über unsere Beziehung zum Horizont, von dem wir meistens getrennt sind, nachdenken.“ 

Kunst oder Selbstmord? 

‚Event Horizon‘ sollte eigentlich bereits im Jahr 2014 installiert werden. Nachdem allerdings ein Investmentbanker von JPMorgan vom Dach des Headquarters in Hongkong sprang, wurde die Installation aus Pietätsgründen abgesagt. 

Sechs Monate vor der diesjährigen Installation hatte die Stadt ihre Bürger über die Ausstellung informiert – aus Sorge darüber, dass die Skulpturen für Selbstmörder gehalten werden könnten, wie in den Städten, in denen die Ausstellung zuvor tourte.

  © Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council, 2015   Photography by Oak Taylor-Smith

© Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council, 2015 Photography by Oak Taylor-Smith

  ©   Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council,    2015  Photography by Oak Taylor-Smith

© Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council, 2015 Photography by Oak Taylor-Smith

 ©  Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council,    2015  Photography by Oak Taylor-Smith

© Event Horizon presented in Hong Kong by the British Council, 2015 Photography by Oak Taylor-Smith

EDITION.CNN.COM/STYLE

Credit CNN International


 

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