KUNST & KULTUR

Was ich an meinem Beruf liebe?

Für eine Figur aufmachen, viel ausprobieren und ohne Sicherheitsnetz arbeiten.

Christiane Paul

 

Foto: ©Börlind

 

WEIBLICHE NEUGIER CHRISTIANE PAUL IM PREMIUM-PORTRAIT

Portrait & Interview: Michaela Hocek

 

SYMPATHISCH ENTSPANNT ist die vielbeschäftigte deutsche Mimin beim Interview im Hotel Ritz-Carlton. Schon nach kurzer Zeit hat man das Gefühl, eher einer Berliner Bekannten auf Besuch gegenüberzusitzen als einer Schauspielerin, die man bisher nur von Bildschirm und Leinwand kannte. Christiane Paul hat zu jedem Thema eine Meinung und hält auch nicht damit hinter dem Berg. egal ob man die aktuelle Bildungsdebatte, Umweltthemen oder Flughafendebakel – ja, auch die deutsche Hauptstadt hat eines – an-schneidet, ihr authentisches Engagement bricht überall durch.

Christiane Paul ist eine Schauspielerin, die sich nicht gerne festlegt. Ihre Rollen folgen keinem roten Faden und ergeben doch ein rundes Ganzes. Schön, dass sie auch ernsthaft ökologisch interessiert und liebend gern Mutter ist.

ABSOLUT UNAUFDRINGLICH erklärt sie ihren Standpunkt. Als zweifache Mutter weiß die 39-Jährige, dass es nichts bringt, missi-onarisch aufzutreten. Die Flexitarierin greift selbst zwar immer seltener zu Fleisch, erzählt aber lachend, dass Sohn Max (5) und Tochter Mascha (10) beileibe keine Vegetarier sind. und auch als Peter Unfried, Chefredakteur der TAZ, mit der Idee zum Buch »Das Leben ist eine Öko-Baustelle« auf sie zukam, wollte sie nicht nur ihren persönlichen Zugang beleuchten. Sie holte Klimaforscher, Ernäh-rungsmediziner, Sozialpsychologen und Journalisten mit ins Boot, die ihre Ansichten zum Thema ethisch korrektes Leben darlegten. Im Interview stellt sie auf die Frage nach dem schwindenden Bildungsniveau Inkompetenz und vielleicht sogar das fehlende Interesse, Menschen zu bilden, in den Raum. Das Verschwinden der Mittelschicht, Sozialnöte und die Notwendigkeit, Konzepte zu entwickeln statt nur Löcher zu stopfen, beobachtet sie als Mensch, nicht als Star.

VOM ROTEN TEPPICH AUF DIE BERLINER STRASSEN, das ist für sie ein selbstverständlicher Schritt. Unverständnis erntet man auf die Frage nach der Balance von Berufs- und Privatleben. Den Promistatus in ihrem Berliner Wohnviertel beziffert Paul gleich null. »Das läuft ähnlich entspannt wie in New York. Als ich vor Urzeiten dort gelebt habe, stand Ethan Hawke ebenso wie ich und jeder andere in der Bagel-Schlange.« Nachdem sie letztes Jahr von April bis November durchgearbeitet hatte, genoss sie anschließend drei relativ freie Monate und lebt nun den ganz normalen Alltag zwischen Kita und beruflichen Terminen. Da wäre zum Bei-spiel der empfang von German Films anlässlich der Oscar-Verleihung oder jener, der Christiane Paul nach Wien führte: Seit Kurzem fungiert sie als Testimonial für die Naturkosmetik von Annemarie Börlind. und auch hier hält sie nicht nur ihr Gesicht in die Kamera: Wenn sie über die Augencreme ins Schwärmen gerät, zweifelt man keine Sekunde daran, dass sie diese tatsächlich täglich verwendet.

Bekannt wurde Chritiane Paul mit ihren Rollen in »Die Welle«, »Hindenburg« oder zuletzt als aufgeschlossene Undine Adams in der äußerst erfolgreichen TV-Trilogie »Adlon«, für die sie erstmals Nacktszenen, noch dazu mit einer jüngeren Frau, drehte. »Man muss neugierig bleiben. Bei der Undine habe ich schon gedacht: Das kann auch danebengehen. Aber ich will mich nicht festlegen lassen.« Seit ihren Anfängen 1992 ist Paul beständig am Drehen; demnächst ist die Allrounderin in mehreren Projekten zu sehen: im RTL-eventmovie »Helden« rund um die dramatischen ereignisse in einem Kernforschungszentrum, dem ZDF-Streifen »Familie Sonntag auf Abwegen« und dem Kinofilm »Eltern«.

 

 

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