Exklusiv-Interview mit Givenchy Creative Director RICARDA TISCI "Warum New York und nicht Paris?"  

 

  Givenchy  Creative Director  RICARDA TISCI    Foto: © Danko Steiner

Givenchy Creative Director RICARDA TISCI  Foto: © Danko Steiner

DAS VIDEO ZUM INTERVIEW

  Foto: © CNN Style

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Im CNN Style Interview verrät der italienische Modedesigner, warum er Givenchy zur New Yorker Fashion Week gebracht und wie ihn die Street Culture inspiriert hat. 

In der 63-jährigen Geschichte des Modeunternehmens Givenchy ist es das erste Mal, dass die Marke ihre Heimatstadt Paris verlässt, um eine spektakuläre Runway-Show in New York abzuliefern. Mit CNN Style spricht Riccardo Tisci exklusiv darüber, warum er diesen Schritt gerade jetzt wagt, wie er Couture auf die Straße gebracht hat, was ihn inspiriert und warum ihn New York so fasziniert. 

 

Warum New York und nicht Paris? 

Amerika war das erste Land, das wirklich an meine Fähigkeiten glaubte. Der große Erfolg von Givenchy begann erst in den USA und kam erst danach nach Europa. 

Über Givenchy und den Street Style: 

Givenchy ist ganz klar ein Couture-Hersteller. Ich habe die Couture-Mode auf die Straßen gebracht und den Street Style in Couture integriert. Das zeichnet meine Arbeit aus, denn ich war einer der ersten Designer, der die Sweatshirts und Trainingsanzüge in die Mode integrierte und sie mehr Givenchy – also luxuriöser machte. Ich bin der Erste, der wirklich hohe Couture macht und sie wieder auf die Straße bringt. So wirkt sie viel relaxter und etwas dekonstruiert. 

Welchen Eindruck Amerika auf ihn machte, als er von Süditalien in die USA reiste: 

Für mich war es der Innbegriff von Freiheit und Meinungsfreiheit. Ich kam hierher und konnte mein Leben ändern und mich ausleben… In Italien gibt es so viele Menschen, die in ihrem Land nichts erreichen konnten und nach Amerika gingen, wo sie sehr erfolgreich wurden, wie z.B. Sophia Loren und Frederico Fellini. Die Möglichkeit, sich selbst ausleben zu können – das ist mein amerikanischer Traum. 

Wie seine Liebe zu Basketball seinen amerikanischen Traum inspirierte: 

Basketball hat in meinem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt. In der Schule fing ich an zu spielen… und entdeckte diese Welt für mich. Es wurde zu einer Art Sucht. 

Schon in jungen Jahren habe ich mir vorgenommen, in die USA zu gehen und eine Show in New York zu machen. Und mein Traum war es, eine Fashion Show auf der Straße zu machen, also da, woher ich komme. Daher dachte ich mir, dass New York die passende Stadt dafür sei. Viele Menschen können Sie Show so sehen. Auch wenn einen Journalisten und Kunden unterstützen, passiert der wirkliche 

Erfolg auf der Straße. Und es sind die normalen Leute, die das, was ich mache, verstehen und mögen sollen. Die Straße ist der Ort, wohin alles führt und woher alles kommt. Das ist für mich am wichtigsten. 

Welche Bilder und Symbole Riccardo Tisci inspirieren: 

Ich habe Bambi häufig verwendet. Und die amerikanische Flagge. Symbole also, die die amerikanische Kultur geprägt haben. Es ist witzig, denn jeder würde ein Tier von Walt Disney mögen. Ich bin begeistert von der amerikanischen Symbolik: McDonald's, Marlboro, Coca-Cola, Nike. All diese Riesenmarken, die aus diesem Land kommen. Sie repräsentieren die amerikanische Kultur und haben diese im Ausland nachhaltig geprägt. 

Riccardo Tisci kommt aus einfachen Verhältnissen. Wie spiegelt sich das in seinen Kreationen wider? 

Aus armen Verhältnissen kommend, muss man sich immer daran erinnern, was Hunger und Leid bedeuten. Und was daraus folgen sollte, ist Kreativität. Denn wenn man wirklich jede Kleinigkeit zu schätzen weiß, lernt man auch die Farben und das Material zu schätzen. Meistens ist es ja auch so, dass wirkliche Größen, wie Frida Kahlo oder Madonna auch aus ärmeren Verhältnissen stammten. Sie mussten stark sein und sich in jeder Gesellschaft und in jedem Land behaupten. 

Über die amerikanische/New Yorker Street Culture: 

Die stärkste Street Culture für mich ist die, die ehrlich ist. Leute, die sich also nicht darum scheren, was Mode suggerieren soll, sondern die einfach Sachen kombinieren, die ihnen gefallen. Die japanische und englische Street Culture ist zum Beispiel sehr cool, aber beide sind sehr geschliffen und sehr bedacht. Was ich an New York mag, ist die Ehrlichkeit. Die New Yorker tragen einfach das, was ihnen steht. Sie kennen sich mit Proportionen und Farben aus und sie mischen Farben und Materialien. Das ist super! Das ist genial! 

Über seine früheste New Yorker Erfahrung: 

Ich liebe Musik und Kunst, also kam ich nach New York, als ich 19 Jahre alt war, weil ich dies erkunden wollte. Das war in den 90gern – zu einer Zeit, in der die Club-Szene pulsierte, in der Body & Soul, House und Hip-Hop gespielt wurden und Rock ablösten. Als ich damals zum ersten Mal einen Club betrat, war ich fasziniert. Die Leute kleideten sich sehr cool und lässig und die Musik war einfach verrückt. Ich weiß noch, dass ich das Gefühl hatte, zu fliegen. Eine weitere starke Erinnerung an New York ist die Freiheit. Die Tatsache, dass man alles sagen, alles anziehen und alles mit allen teilen konnte, was man wollte. Als ich gelandet bin, dachte ich mir damals noch im Flughafen, dass das der Ort ist, an dem ich einmal leben werde.

 

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