KUNST & KULTUR

OPERN GEHEIMNISSE

Dominique Meyer gewährt PREMIUM exklusive Einblicke in die unbekannte Staatsoper.

Dr. Doris Simhofer

»EIN THEATER IST WIE EINE STADT«, sagt Staatsoperndirektor Dominique Meyer und wirkt dabei sehr überlegt. Er liebt es, frühmorgens in der Oper zu sein. Das ist er so gewohnt: »allein in einem Theater zu sein, früh am Morgen, das ist ein erhebendes Gefühl.

Ich höre dann Musik, während ich meinen Tagesplan mache. Und wenn am Vormittag die Proben beginnen, beginnt für alle Mitwirkenden der Tag.« Mit entschlossenen Schritten durchquert er die Künstlergarderoben und Probebühnen; wir folgen Ihm. Vor seiner Tätigkeit als Wiener Staatsoperndirektor war er unter anderem Direktor der Oper Lausanne und des Théâtre des Champs-Elysées in Paris. Der gebürtige Elsässer spricht ein makelloses Deutsch und überzeugt mit Charisma und seiner ruhigen, entschlossenen Art. Jener Art, mit der er uns nun in die höchsten Regionen unter den Dächern der Staatsoper geleitet. »Der Abschied von Paris – nun ja, es war nicht leicht, eine Stadt zu verlassen, in der man glücklich war und eine erfüllende Arbeit getan hat«, erklärt der Staatsoperndirektor, »aber die Herausforderung, eine Aufgabe in einer so feinen und interessanten Kulturstadt wie Wien zu übernehmen, hat mich letztlich diese Entscheidung treffen lassen.«

Wir schlängeln uns durch Gänge und Proberäume, durch Salons in Richtung »Probebühne Eberhard Waechter«. Wir erreichen sie von der linken Galeriestiege. Sie wurde erst 1995 eröffnet und wird in erster Linie für Repertoireund Neuproduktionen genützt. Benannt wurde sie nach dem

1992 verstorbenen Staatsoperndirektor Eberhard Waechter. Die Erkundungstour geht weiter, durch schmale Gänge, die sich über der Decke des Zuschauerraums und unter dem Dach winden. Wir gelangen direkt zum »Lusterboden«, also zum Dachboden der Wiener Staatsoper. interessant ist hier der Blick auf die Dachkonstruktion des Opernhauses – von hier aus kann man auch den Luster im Auditorium begehen, und hier kann die Wartung des großen Lusters im Opernhaus vorgenommen werden.

Es geht weiter, nur ein paar Schritte, wir bleiben im Dachgeschoss. in der »Repertoireschneiderei« des Hauses werden die Kleider für den täglichen Spielbetrieb geändert und anprobiert. Fleißige Hände sind am nähen und Stecken, am werken und Probieren, damit die Künstler abends in maßgeschneiderten Kostümen brillieren. Im mächtigen Fundus, der ebenfalls hier untergebracht ist, wird eine Reihe von Kostümen aufbewahrt.

DIE TOUR GEHT WIEDER ABWÄRTS, durch lange Gänge in Richtung Herzstück des Hauses: Die Bühne trennt das Haus gewissermaßen in eine Rechte und in eine Linke Hälfte. Das hat auch historische Gründe, denn früher wurden diese hälften als »Burgseite« und »Stadtseite« bezeichnet, waren für das höfische und das städtische Publikum bestimmt. Interessant ist, dass es im ersten, zweiten und dritten Stock des Bühnenhauses keine räumliche Verbindung zwischen linker und rechter Haushälfte gibt. Über der Bühne wird es dann hochtechnisch. Der Schnürboden ist das technische Herzstück des Opernhauses. Freilich gibt es heute keine Schnüre mehr, mit denen Vorhänge oder Bilder auf- und abbewegt werden, sondern Züge. auf der »Burgseite« werden die Züge elektromechanisch, auf der »Stadtseite« manuell betrieben.

Von der Arbeitsgalerie aus können alle mechanischen Aktionen am Schnürboden gesteuert werden. Ob nun ein Horizont verschoben, die Unterbühne bewegt oder nacht- bzw. Taghimmel verändert werden: In der Arbeitsgalerie laufen alle technischen Fäden zusammen, die die Aktionen am Schnürboden steuern.

GIGANTISCH SIND DIE DIMENSIONEN der Hauptbühne.

Diese Versenk- und Schiebebühne besteht aus sechs so genanntenHubpodien, die jeweils 18 Meter messen, sowie einer Versenkbühne mit 14 Metern. Eine reihe von Versenkungsöffnungen, Schienen, um Fahrwege für Vor- und Seitenbühnen vorzugeben, sowie Aufzüge und Drehscheiben zählen zu den technischen Finessen der Hauptbühne. »auf der Burgseite befindet sich, nahe dem Portal, der Platz für den diensthabenden Feuerwehrmann, an der Stadtseite sehen wir das inspizientenpult sowie andere Bedienerpulte, wie etwa für Vorhang«, erklärt Dominique Meyer.

 Ein  Blick auf die Uhr zeigt, es ist Zeit zu arbeiten. Es ist Probenzeit und die Stadt Oper beginnt zu leben. Zeit für Dominique Meyer, um in sein Büro zurückzukehren. Auf einem großen LCD-Schirm verfolgt er die Arbeit des Orchesters, des Dirigenten. »Gibt es etwas Schöneres als umgeben von Musik seine Arbeit zu tun?«, fragt er entspannt. Gibt es das?

 

Fotos: © Sabine Klimpt / beigestellt

WWW.WIENER-STAATSOPER.AT

 


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