DIE MACHT DER FOTOGRAFIE: Eine Begegnung mit denjenigen, die vor der Kamera stehen, und jenen, die den Auslöser bedienen...

Sir Elton John: „Ich habe ein wirklich schnelles Auge. Wenn ich in eine Kunstausstellung gehe, finde ich sofort die Dinge, die mir gefallen. Ich verschwende ungern Zeit, deshalb gehe ich auch nicht gerne in Museen, weil ich dort nichts kaufen kann.“...

  Fotos:  ©  CNN International

Fotos: © CNN International

Sir Elton John´s Fotosammlung

  Model-Ikone Kate Moss  pflegt seit langem ein enges Verhältnis zum Fotografen-Duo Mert und Marcus 

Model-Ikone Kate Moss pflegt seit langem ein enges Verhältnis zum Fotografen-Duo Mert und Marcus 

"Die Macht der Fotografie" Das Fotografen-Duo Mert und Marcus

Martin Schöllers „ehrliche Fotografie“ 

Wahrscheinlich kennt jeder die Aufnahme des Fotografen Nick Ut aus dem Vietnamkrieg, das ein nacktes Mädchen zeigt, welches panisch vor einem Napalm-Angriff flieht. Diese Aufnahme verstärkte den weltweiten Protest gegen den Vietnamkrieg und zeigt, welche Macht Fotografie besitzt. In der zehnten Episode von CNN Style widmet sich Moderator Derek Blasberg der Welt der Fotografie. Dafür trifft er Experten von beiden Seiten: Diejenigen, die vor der Kamera stehen, und diejenigen, die den Auslöser bedienen. 

Der britische Popstar Elton John besitzt eine der größten privaten Fotosammlungen der Welt. Über Jahrzehnte hinweg sammelte der Sänger exklusive Aufnahmen weltberühmter Fotografen. Seine Sammlung umfasst mittlerweile beinahe 8.000 Bilder. Eine Auswahl seiner Sammlung ist noch bis zum 21. Mai in der Tate Gallery of Modern Art, einem der größten und wichtigsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, ausgestellt. 

Mit Derek Blasberg spricht Sir Elton John über den Stil seiner Sammlung: „Ich habe ein wirklich schnelles Auge. Wenn ich in eine Kunstausstellung gehe, finde ich sofort die Dinge, die mir gefallen. Ich verschwende ungern Zeit, deshalb gehe ich auch nicht gerne in Museen, weil ich dort nichts kaufen kann. Ich weiß, was mir gefällt und was nicht, und vieles in der modernen Fashion-Fotografie gefällt mir nicht.“ 

Für seine Sammlung war Fotojournalismus aus Zeitungen und Magazinen immer eine wichtige Inspirationsquelle. Aus dieser Quelle stammt auch eines der extremsten Fotos in seiner Sammlung - „Falling Man“. Es zeigt einen Mann, der sich bei den Anschlägen des 11. Septembers aus Verzweiflung aus einem der Zwillingstürme stürzt. „Ein wirklich erschreckendes Foto. Aber in der Kunst ist es manchmal so: Je tragischer das Dargestellte, desto schöner ist das Bild manchmal. So begeistert von etwas so Tragischem zu sein, erschien zu der Zeit pervers, aber die Schönheit darin ist fantastisch“, erklärt der Musiker. 

Derek Blasberg spricht auch mit Model-Ikone Kate Moss, die seit langem ein enges Verhältnis zum Fotografen-Duo Mert und Marcus pflegt. „Wenn ich mit ihnen arbeite, ist es immer spannend. Ich weiß, dass sie kein Porträt von mir machen, sondern mich in eine völlig andere Person verwandeln. Sie schaffen es, aus jedem das Beste herauszuholen. Nicht das Beste aus mir selbst, sondern einem Charakter, der ich gerne wäre oder einer anderen Version von mir“, erklärt Moss das spezielle Verhältnis zu den Fotografen. 

Aber auch die Fotografen schwärmen von ihrem Model. „Zuerst ist es ein großes Abenteuer mit ihr zu arbeiten. Man braucht viel Schlaf vorher, denn dann bekommt man nicht mehr viel. Sie hat wirklich ein Verständnis für Fotografie,“ so Mert. Sein Kollege Marcus ergänzt: „Sie hat einen Charakter an sich, mit dem sie sich wirklich in eine völlig andere Person verwandeln kann.“ 

 

 

 

 

 Martin Schöller – Auf der Suche nach Authentizität

 Der gebürtige Müncher Martin Schöller ist in den USA ein Superstar in der Fotografie-Szene. Bekannt wurde er duch seine Porträtaufnahmen, für die er bereits Berühmtheiten wie Barack Obama, George Clooney oder Meryl Streep abgelichtet hat. Er nennt diese Porträts „Close-Ups“ und wendet dabei immer die gleiche Technik an. Statt eines grellen Blitzes nutzt er stets weicheres Neonlicht und die Linse seiner Kamera ist immer genau auf die Augenhöhe seines Gegenübers gerichtet. Mit seinen Arbeiten landete er bereits auf den Titeln renommierter Magazine wie dem New Yorker, dem New York Time Magazine oder dem Time Magazin. 

Für CNN Style sprach Martin Schöller mit Moderator Derek Blasberg über seinen einzigartigen Stil. „Als ich angefangen habe, hatten wir bei den Presseterminen immer nur rund zehn Minuten Zeit. Die Leute trugen Kleidung, die mir nicht gefiel, oder befanden sich in einem unpassenden Setting. Deshalb habe ich mich einfach auf das Gesicht fokusiert. Damit konnte ich immer ein Porträt schießen, mit dem ich zufrieden war. Egal wo, egal wann und egal mit wem“, erklärt Schöller den Ursprung seines Stils. 

Der 48-Jährige verzichtet bei seiner Arbeit auch völlig auf Retuschen. Ihm ist es wichtig, die Menschen so zu zeigen, wie sie sind. Obwohl er glaubt, dass ein Foto nie die ganze Wahrheit über einen Menschen verrät, stört sich Schöller an der Perfektionierung der Fashion-Industrie: „Schauen Sie sich doch ein Foto von Madonna an. Es sieht so aus, als sei sie erst 25 Jahre alt. Das ist lächerlich. Jeder will zehn Jahre jünger und 20 Pfund leichter aussehen und die Magazine erfüllen diesen Trend. Daher glaube ich, dass man nur wenige Fotos, die in Magazinen veröffentlicht werden, auch in einer Gallerie ausstellen könnte.“ 

Die größte Herausforderung in seiner Arbeit sieht Schöller jedoch darin, dass im Zeitalter des Smartphones jeder zum Fotografen werden kann. Das mache es unglaublich schwierig, seinen individuellen Ton zu finden und aus der Masse herauszustechen. „Es ist unglaublich schwer, sich als Fotograf mit einem eigenen Stil zu etablieren“, so Schöller.