Drei Avantgarde-Designer definieren Männermode 

Am 13. Juli wird auch New York eine Fashion Week nur für Männer etablieren – damit schließt sich die Stadt den anderem Modemetropolen an. Die Verkaufszahlen von Männermode zeigen, dass die ‚Millennial‘-Männer mehr an Mode interessiert sind als andere Altersgruppen. 

Während der Männermode-Markt boomt, zeigt eine neue Designergeneration, dass Männermode mehr ist als nur ein gut passender Anzug. Sie polarisieren mit ihrer Mode – einige nennen es bizarr, andere Avantgarde. 

Wie ticken diese kreativen Köpfe und wie definieren sie Mode? CNN Style hat mit dem Paten der Avantgarde Yohji Yamamoto, dem New Yorker Vorreiter Thom Browne und dem Londoner Newcomer-Duo Agape ‚Agi‘ Mdumulla und Sam Cotton von Agi & Sam gesprochen. 

  Credit: Courtesy Circe

Credit: Courtesy Circe

Thom Browne – der Trendsetter 

Wenn es um Design geht, halte ich Einfachheit für den besten Weg. Es verleiht dem Ganzen zwar eine Art Uniformität, allerdings beginnt alles sehr grafisch. Ich mag es Leuten etwas vorzusetzen, was sie zum Nachdenken bewegt. Ich mag es, etwas Klassisches zu nehmen und es interessanter zu machen, als die meisten erwartet hätten. 

Es beginnt mit etwas, was den Menschen als sehr verständlich erscheint. Meine Aufgabe als Designer ist es, diese Einfachheit aufzugreifen und sie weiterzuentwickeln, sodass die Menschen 

beginnen, Dinge auf andere Weise zu sehen. 

Meine Inspiration hole ich mir auf unterschiedliche Weise. Manchmal sind es Bücher, die ich lese oder Filme, die ich angesehen habe oder Menschen, die ich auf der Straße sehe. 

Egal woher ich die Inspiration hole, ich versuche immer einen Bezug zu meiner Inspirationsquelle herzustellen. Allerdings versuche ich das subtil zu machen. Man würde die Inspirationsquelle nicht auf den ersten Blick erkennen. 

Manchmal fühle ich mich sehr alleine, denn ich weiß oft nicht, welche Entwicklungen es in der Männermode gibt. Für mich ist jede Saison eine neue Entwicklung. In Bezug auf Stoffe versuche ich in jeder Kollektion neue Konzepte, Formen und Proportionen zu schaffen.

  Credit: Courtesy Agi & Sam

Credit: Courtesy Agi & Sam

Agi & Sam: Die Newcomer 

Sam Cotton: Wir begannen damit aus einem Scherz heraus. Wir wollten eine Marke kreieren, aber wir waren frustriert von der Ernsthaftigkeit in der Modebranche. Als wir in der begannen zu schneidern, ging es uns nur um den Spaß. Wir betranken uns und haben Kleidung in Agis Flur kreiert. Das war quasi das Einzige, was wir konnten und machten. Wir mussten alles von Anfang an erlernen. 

Unser Designprozess resultiert meisten aus dem gegenseitigen Austausch miteinander oder aus Scherzen. 

Agi Mdumulla: Wir waren immer recht konzeptionell veranlagt in unserer Arbeit. Es gab also einen starken Entwicklungsprozess. Das ist auch gut so, denn dann steht eine Geschichte hinter jeder Kollektion. Das scheinen die Menschen an unserer Mode zu mögen. In dieser Saison, sind wir sehr gewachsen. Irgendwie wirken wir erwachsener. Natürlich steckt immer noch ein Konzept dahinter. Allerdings denken wir jetzt mehr an die Kleidung an sich. Früher stach immer die Geschichte hinter den Kleidungsstücken hervor. 

Wir wollten immer, dass die Menschen unsere Kleindung auch tragen. Wir wollten nie diese komischen Designer sein, die etwas völlig Abgehobenes kreieren. Ich denke, dass wir diese Absicht zu Beginn unserer Karriere vergessen hatten. Jetzt blicken wir zurück und möchten wieder zu diesem Ansatz zurückkehren. Wir blickten an uns runter und dachten, können die Menschen das wirklich tragen? Würden unsere Freunde das anziehen? Wir kamen zu dem Schluss, dass sie es nicht würden.

 
  Credit: CNN Style_Fotografiert von Elise Toide

Credit: CNN Style_Fotografiert von Elise Toide

 Zeichnung von Yohji Yamamoto / Credit CNN International

Zeichnung von Yohji Yamamoto / Credit CNN International

Yohji Yamamoto – der Veteran: 

Männermode muss Spaß machen, sie muss eine Art unaufgeregte Begeisterung hervorrufen. Man sollte über sie lachen und sie wertschätzen können – ganz frei von kulturellen Hintergründen oder Vorwissen. Einfach nur stylish und gutaussehend zu sein, reicht nicht. Humor und etwas Selbstironie sind unerlässlich, wenn es um Mode geht. 

Jede Kollektion ist nur ein Meilenstein in meiner Karriere. Ich strebe nicht danach, etwas Bestimmtes in ein paar Kollektionen zu erreichen. Ich habe mich dazu entschlossen, auf der wilden Seite der Straße zu laufen, ein sehr nischiger Pfad, auf dem mir Trends egal sind. Ich liebe es durch Stoffe Bewegung und Action auf dem Körper zu kreieren 

Bei jeder neuen Kollektion muss ich von verschiedenen Formen neu inspiriert werden, anders kann ich nichts kreieren. Jedesmal, wenn ich eine Fashion-Show mache, denke ich, ich hätte einen Fehle r gemacht, also muss ich immer mehr Shows vorbereiten. 

Ich kann es einfach nicht leiden, wenn Menschen konservativ werden. Ich weiß nicht, ob der Begriff ‚Avantgarde‘ immer noch relevant ist, denn mir kommt es vor, als wäre er schon so gängig in der Modebranche geworden, als sei er selbst nicht mehr avantgarde. Aber ich glaube immer noch an die Bedeutung, die dahintersteckt – man verleiht der Opposition, die gegen etablierte Werte spricht, eine Stimme. 

Aber dennoch glaube ich, dass man, bevor man etwas verneinen kann, den langen Weg der Tradition gehen muss. Ich versuche meiner Kleidung Authentizität zu verleihen – sogar den konventionellsten meiner Stücke. Es ist ein schmaler Grat. Ich möchte einerseits etwas Verwegenes schaffen, andererseits sollte meine Mode auch praktisch und tragbar sein. 

Wie gesagt, ein charmanter Mann hat für mich immer auch etwas Schwerfälliges, etwas Plumpes an sich.

 

 

 

EDITION.CNN.COM/STYLE

Credit CNN International


PREMIUM is official partner of:


DIE AKTUELLSTEN FASHION NEWS!